Manche der wirksamsten Vorsorgemassnahmen sind erstaunlich einfach, und gerade deshalb werden sie oft übersehen. Diese Seite zeigt, worauf es wirklich ankommt, von Impfungen bis zu Untersuchungen, die viele gar nicht kennen.
Vorsorgeuntersuchungen mit hohem, leider oft unterschätztem Nutzen

Neben den bekannten Krebsvorsorgeuntersuchungen lohnen sich weitere Checks, die oft vergessen gehen:
So wird eine Knochendichtemessung für Frauen ab 65 Jahren ohne Risikofaktoren empfohlen, für Männer ab 65 bei unerklärten Knochenbrüchen, da Osteoporose lange unbemerkt bleibt.
Auch der Cholesterinwert und die Vitamin-D-Werte sollten neben den allgemeinen Blut- und Organwerten regelmässig durch Ihren Hausarzt kontrolliert werden.
Beim Darmkrebs übernimmt die Krankenkasse seit Juli 2025 die Früherkennung bereits ab 50 bis 74 Jahren, alle zwei Jahre einen Stuhltest oder alle zehn Jahre eine Darmspiegelung, lohnenswert auch ohne familiäres Risiko.
Bei Prostatakrebs existiert in der Schweiz keine systematische Empfehlung, die Krankenkasse übernimmt aber die jährliche Tastuntersuchung der Prostata ab 45 Jahren. Der PSA-Bluttest selbst wird nur bei konkretem Verdacht bezahlt, da der Wert auch durch andere Faktoren wie Velofahren oder eine Prostataentzündung erhöht sein kann. Das Gespräch mit der Hausärztin oder dem Hausarzt zu Vor- und Nachteilen lohnt sich vorab.
Auch eine augenärztliche Kontrolle mit Messung des Augeninnendrucks sollte ab 60 regelmässig erfolgen: Ein erhöhter Druck (grüner Star) schädigt den Sehnerv schleichend und meist ohne Symptome, bis der Schaden bereits unumkehrbar ist.
Ebenfalls häufig, aber wenig bekannt: die Makuladegeneration, die häufigste Ursache für dauerhafte Sehverschlechterung über 50. Ab 60 Jahren lohnt sich eine augenärztliche Kontrolle alle zwei Jahre. Ein einfacher Selbsttest dazu, der Amsler-Gitter-Test, stammt übrigens vom Schweizer Augenarzt Marc Amsler. Zum kostenlosen Ausdrucken bei Optikschweiz, ersetzt aber keine augenärztliche Kontrolle.

Gehört leider in der Schweiz noch nicht zu den Untersuchungen welche die Krankenkasse im Normalfall übernimmt: Die einmalige Ultraschalluntersuchung der Bauchaorta ab 65, welche eine gefährliche, aber meist beschwerdefreie Gefässerweiterung (Bauchaortenaneurysma) frühzeitig aufdecken kann. Fragen Sie Ihre Hausärztin oder Ihren Hausarzt darauf an, ob diese Untersuchung in Ihrem Fall sinnvoll ist und ob die Kosten bei Ihnen von der KK übernommen werden wenn Sie zu den Risikogruppen gehören: Rauchen, Bluthochdruck, genetische Veranlagung oder Arteriosklerose
Gutes Hören – Der Vereinsamung vorbeugen und das Demenzrisiko senken
Auch das Seh- und Hörvermögen spielt eine grössere Rolle für die Sturzsicherheit, als viele denken. So verändern schon kleinste Einschränkungen die räumliche Orientierung, welche für die Sturzprävention wichtig ist. Deshalb ist auch beim Gehör eine Vorsorge ab 50 sinnvoll.
Eine grosse internationale Expertenkommission zählt unbehandelten Hörverlust zu den bedeutendsten beeinflussbaren Risikofaktoren für Demenz. Der Grund: Wenn das Verstehen anstrengend wird, zieht sich das Gehirn von anderen Aufgaben wie Denken und Erinnern zurück. Gleichzeitig führt schlechtes Hören oft zu sozialem Rückzug, aus Scham über Missverständnisse, weniger Gespräche, weniger Vereinsanlässe. Diese Vereinsamung gilt unabhängig vom Hörvermögen selbst als eigenständiger Risikofaktor für Demenz.

Im Schnitt vergehen sieben bis zehn Jahre zwischen Beginn der Schwerhörigkeit und dem ersten Hörgerät, wertvolle Zeit, in der sich Hörbahnen im Gehirn zurückbilden und sich der soziale Rückzug festigt. Ein einfacher Hörtest beim Hausarzt oder Hörakustiker schafft hier Klarheit, und wer früh handelt, bleibt eher in Gesprächen, Familie und Verein eingebunden, was das Gehirn aktiv hält.
Impfungen – Mehr als nur Grippeimpfungen

Die Grippeimpfung kennt jeder, weniger bekannt ist hingegen die Impfung gegen Gürtelrose (Herpes zoster), welche ab 60 Jahren empfohlen wird. Und das erstaunlichste, sie schützt nicht nur vor der schmerzhaften Viruserkrankung, die sich durch einen streifenförmigen, bläschenartigen Hautausschlag äussert.
Mehrere grosse Studien aus Wales, Australien und weiteren Ländern deuten darauf hin, dass die Impfung gegen Gürtelrose auch das Risiko für Demenz senken könnte, einige Untersuchungen sprechen von 20 bis 25 Prozent. Die Forschung ist noch nicht abgeschlossen, aber die Hinweise verdichten sich von Jahr zu Jahr. Da die Impfung ohnehin zum Schutz vor Gürtelrose sinnvoll ist, lohnt sich das Gespräch mit der Hausärztin oder dem Hausarzt umso mehr.
Vitamin D: Im Winter reicht die Sonne praktisch nie
Ein gesundes und aktives Leben im Alter hängt stark von der Festigkeit unserer Knochen ab. Dabei spielt Vitamin D eine Schlüsselrolle, denn es schleust lebenswichtiges Calcium in den Körper. Das Problem: Im Gegensatz zu vielen anderen Vitaminen steckt es kaum in unserer Nahrung. Unser Körper muss es selbst herstellen, und zwar mithilfe von direktem Sonnenlicht auf der Haut.
Mit den Jahren lässt die körpereigene Produktion von Vitamin D jedoch spürbar nach. Hinzu kommt, dass man sich im Alter seltener lange genug in der prallen Sonne aufhält. Dadurch entsteht schnell ein unbemerktes Defizit über das ganze Jahr.
Denn in der Schweiz kommt noch eine geografische Besonderheit hinzu: Von November bis April steht die Sonne bei uns so tief, dass ihre Strahlen selbst bei idealen Bedingungen zu schwach für die Vitamin-D-Bildung sind.

Ihr Fahrplan für mehr Knochenkraft:
- Messen statt raten: Bitten Sie bei Ihrem nächsten Hausarztbesuch einfach um eine Bestimmung Ihres Vitamin-D-Spiegels im Blut.
- Massgeschneidert dosieren: Für viele ältere Menschen ist eine ganzjährige Zufuhr über Tropfen oder Kapseln sinnvoll.
Nehmen Sie hochdosierte Vitamin-D-Präparate niemals unkontrolliert ein. Lassen Sie den Vitamin-D-Spiegel in Ihrem Blut ärztlich bestimmen, um eine individuelle und sichere Zufuhr festzulegen.
Zusätzliche Unterstützung
Ergänzend zu den Präparaten können Sie Ihren Körper über das Essen unterstützen:
- Vitamin D: Steckt in fettem Seefisch (Lachs, Makrele), Eigelb und Speisepilzen. Die Mengen reichen aber meist nicht aus, um einen Mangel auszugleichen.
- Vitamin K2: Wird von Bakterien gebildet. Es steckt in fermentierten Lebensmitteln (wie Sauerkraut oder gereiftem Käse) sowie in Fleisch und Eiern.
- Calcium: Der wichtigste Knochenbaustein. Reichlich vorhanden in Milchprodukten, grünem Gemüse (Broccoli, Grünkohl) und calciumreichem Mineralwasser.
Ein grossartiger Partner: Vitamin K2
Wenn Sie Vitamin D höher dosiert einnehmen, sollten Sie seinen Partner Vitamin K2 nicht vergessen. Dieses wirkt im Körper wie ein Wegweiser. Es sorgt dafür, dass das Calcium gezielt in die Knochen transportiert wird und sich nicht fälschlicherweise in den Blutgefässen ablagert.
Falls Sie Blutverdünner (wie beispielsweise Marcoumar oder Sintrom) einnehmen, ist jedoch strikte Vorsicht geboten. Vitamin K2 kann die Wirkung dieser Medikamente abschwächen. Halten Sie daher vor einer Einnahme zwingend Rücksprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
Cholesterin im Alter: Ein Mythos hält sich hartnäckig

Lange dachte man, hohes Cholesterin sei im hohen Alter kaum noch von Bedeutung. Neuere Studien zeigen das Gegenteil: Auch über 70-Jährige haben ein deutlich erhöhtes Risiko für Herzinfarkt und Gefässverengung, wenn ihr LDL-Cholesterin steigt. Eine Behandlung lohnt sich also auch im hohen Alter.
Besonders betroffen sind Frauen, oft erst später: Während der Wert bei Männern meist schon früher steigt, zieht er bei Frauen häufig erst nach den Wechseljahren nach, manchmal über die Werte der Männer hinaus.
Wenig bekannt: Eine cholesterinarme Ernährung allein bringt oft weniger als erwartet, im Schnitt nur rund 5 Prozent Senkung, da der Körper Cholesterin grösstenteils selbst herstellt. Lassen Sie Ihren Wert deshalb regelmässig beim Hausarztbesuch bestimmen und besprechen Sie, ob eine Ernährungsumstellung reicht oder eine medikamentöse Behandlung sinnvoll ist.
Sollten die Nebenwirkungen eines Medikaments zu stark sein, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, statt es einfach abzusetzen. Es gibt verschiedene Statine und auch andere Wirkstoffklassen, oft lässt sich eine besser verträgliche Alternative finden.
Natürliche Unterstützung: Hafer, Omega-3 und Q10
Bei nur leicht erhöhten Cholesterinwerten ist es einen Versuch wert, ob sich diese allein mit den folgenden Nahrungsergänzern ausreichend senken lassen. Bei höheren Werten können sie höchstens unterstützend zu Statinen wirken, ersetzen aber keine ärztliche Behandlung:
Haferflocken (Beta-Glucan): Dieser Ballaststoff senkt nachweislich das LDL um 5 bis 10 Prozent. Nötig sind täglich rund 3 Gramm Beta-Glucan, etwa 7 Esslöffel Haferflocken, zum Beispiel als Overnight Oats über Nacht in Milch oder Joghurt eingeweicht. Wirkung zeigt sich meist nach drei bis sechs Wochen.
Omega-3-Fettsäuren: Fettreicher Fisch wie Lachs, Hering oder Makrele (zwei Portionen pro Woche) oder ein Präparat können das Verhältnis von «gutem» zu «schlechtem» Cholesterin günstig beeinflussen und wirken entzündungshemmend. Pflanzliche Alternative: Rapsöl, Lein- oder Walnüsse.

Coenzym Q10: Wer Statine einnimmt, sollte wissen: Diese senken auch den körpereigenen Q10-Spiegel, was sich manchmal als Muskelschmerzen oder Müdigkeit zeigt. Q10 gibt es als Ubiquinon und Ubiquinol; viele Fachstellen empfehlen älteren Menschen die Form Ubiquinol, auch wenn die Datenlage dazu insgesamt dünner ist als zur klassischen Form. Bei Muskelbeschwerden unter Statinen lohnt sich das Gespräch mit der Hausärztin oder dem Hausarzt.
Wichtig für die Erwartungen: Nahrungsergänzungsmittel wirken selten von heute auf morgen. Rechnen Sie mit mehreren Wochen bis Monaten, nicht mit einer schnellen, dramatischen Senkung. Geduld und regelmässige Blutkontrollen sind wichtiger als eine zu hohe Erwartung, dass die schlechten Werte damit ganz verschwinden.
© Seniorenrat Birsfelden