Psychische Gesundheit: Einsamkeit und Depression im Alter

Über psychische Gesundheit im Alter wird selten offen gesprochen. Dabei kommt dies häufiger vor als gedacht: Fast ein Drittel der Seniorinnen und Senioren in der Schweiz fühlt sich zumindest gelegentlich einsam, und depressive Symptome sind im höheren Lebensalter weit verbreitet.

Wichtig zu wissen: Depressionen gehören nicht zum normalen Älterwerden. Sie sind eine Erkrankung, die ernst genommen werden darf – und die in den meisten Fällen gut behandelbar ist.

Depressionen werden bei älteren Menschen häufig übersehen

Depression wird meist mit Traurigkeit und Niedergeschlagenheit verbunden. Im Alter stehen jedoch oft andere Beschwerden im Vordergrund: Ängste, innere Unruhe, Antriebslosigkeit oder körperliche Symptome wie Rückenschmerzen, Schwindel, Schlafstörungen oder Magen-Darm-Probleme. Auch Reizbarkeit, Vergesslichkeit oder Konzentrationsprobleme können Anzeichen sein. Manche Menschen zeigen nicht einmal das, sie ziehen sich lediglich zunehmend zurück oder verlieren das Interesse an Aktivitäten, die ihnen früher Freude bereitet haben.

Weil diese Beschwerden so unterschiedlich sind, wird eine Depression im Alter oft nicht sofort erkannt, dabei können sich dahinter behandelbare psychische Belastungen verbergen.

Massnahmen zur Vorbeugung einer Altersdepression

Studien zeigen, dass anhaltende soziale Isolation auch das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, körperlichen Abbau und eine Verschlechterung der geistigen Leistungsfähigkeit erhöhen kann. Hingegen können bereits regelmässige kleine soziale Kontakte, etwa ein Telefongespräch, ein Besuch im Quartiertreff oder gemeinsame Spaziergänge einen positiven Einfluss auf das Wohlbefinden haben.

Tägliche Spaziergänge oder sanfter Sport (z. B. Gymnastik, Schwimmen) heben nicht nur die Stimmung, sie unterstützen auch die Gesundheit.

Beschäftigen Sie auch Ihr Gehirn regelmässig: Neues lernen, Rätsel lösen, Puzzle legen, Lesen, Weggehen oder ein Hobby ausüben hält das Gehirn fit.

Strukturierte Tage mit festen Aufsteh-, Essens- und Schlafzeiten geben Halt. Genauso wöchentliche feste Termine. Denn sonst ähnelt am Ende ein Tag dem Anderen.

Freiwilligenarbeit, die Betreuung von Enkeln oder Haustieren vermittelt das Gefühl, gebraucht zu werden. Einige Ideen finden Sie auch beim SRK oder aber Sie engagieren sich beim Verein «Senioren für Senioren» in Birsfelden

Angebote wie Mahlzeitendienste oder Haushaltshilfen entlasten und nehmen Stress. Und Spitex oder andere Organisationen helfen Ihnen bei Fragen oder Problemen im Alltag.

Schlucken Sie Ihre Sorgen nicht hinunter sondern, sondern teilen Sie mit Vertrauenspersonen oder Fachstellen.

In Basel gibt es unzählige Angebote, die Sie in diesem schwierigen Lebensabschnitt begleiten.

Wenig bekannt: Ältere Männer sind besonders gefährdet

Männer im hohen Alter haben in den meisten Ländern die höchste Suizidrate aller Bevölkerungsgruppen, am höchsten bei den über 80-Jährigen. Frauen unternehmen zwar häufiger Suizidversuche, bei Männern verlaufen sie aber öfter tödlich, da sie schwerwiegendere Methoden wählen.

Umso wichtiger: Nehmen Sie Warnsignale bei sich selbst und bei Männern in Ihrem Umfeld ernst, und suchen Sie frühzeitig Unterstützung.Gründe für das Entstehen einer Altersdepression

Das hohe Risiko im Alter ist meist auf eine Kombination verschiedener Belastungsfaktoren zurückzuführen, die sich gegenseitig verstärken können. Dies sind die wichtigsten Gründe:

Der Verlust des Lebenspartners oder von Freunden sowie soziale Isolation spielen eine zentrale Rolle.

Chronische Schmerzen, Pflegebedürftigkeit oder der Verlust von Unabhängigkeit und kognitiven Fähigkeiten können als schwere Last empfunden werden.

Besonders für Männer, die ihren Lebenssinn oft stark über die berufliche Identität definieren, kann der Eintritt in den Ruhestand zu einer Sinnkrise führen.

Ältere Männer suchen sich bei psychischen Krisen seltener professionelle Hilfe und sprechen weniger über emotionale Probleme.

Wenn sich eine Depression versteckt

Manchmal zeigt sich eine Depression nicht direkt, sondern versteckt sich hinter ganz anderen Beschwerden oder Verhaltensweisen. Wer diese Zusammenhänge kennt, erkennt eine Depression manchmal früher, bei sich selbst oder bei jemandem aus dem Umfeld.

Hinter manchen Konzentrations- und Gedächtnisproblemen kann manchmal auch eine Depression stecken, die irrtümlich als Demenz klassifiziert wird. Die Betroffenen wirken dement, aber sobald die Depression erfolgreich behandelt wird, verschwinden auch die Gedächtnisprobleme wieder.

Alkoholmissbrauch (oft der „Feierabendwein“, der schleichend mehr wird) oder die unbemerkt steigende Abhängigkeit von Schlaf- und Beruhigungsmitteln (Benzodiazepinen) sind bei Senioren extrem häufige Bewältigungsversuche einer unerkannten Depression.

Chronische körperliche Erkrankungen (wie Rheuma oder Diabetes) feuern über Entzündungsbotenstoffe direkt ins Gehirn und können dort biologisch eine Depression auslösen. Es ist also oft nicht einfach eine „Kopfsache“, sondern reine Biologie.

Eigentlich sind ältere Menschen psychisch widerstandsfähiger (resilienter) als junge Erwachsene, da sie mehr Lebenserfahrung haben. Bei einer Depression nutzt Ihnen dies leider nichts, da die Ursachen meist sehr konkrete, kumulierte organische oder soziale Auslöser sind und nicht nur „Stimmungstiefs“.

Statt Traurigkeit findet man bei Männern mit einer Depression oft auch Aggressivität, bittere Ironie, übertriebenen Aktionismus (z. B. exzessiver Sport oder Arbeit im Garten bis zur Erschöpfung) oder plötzliches risikoreiches Verhalten

Rechtzeitig ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen

Eine Depression im Alter ist gut behandelbar – beispielsweise mit Gesprächstherapie, Medikamenten oder einer Kombination aus beidem. Auch regelmässige Bewegung, soziale Kontakte und eine gute Behandlung körperlicher Erkrankungen können die Genesung unterstützen.

Wenn Niedergeschlagenheit, Interessenverlust, Ängste, Schlafprobleme oder unklare körperliche Beschwerden länger als zwei Wochen anhalten oder Ihren Alltag spürbar beeinträchtigen, sprechen Sie mit Ihrer Hausärztin oder Ihrem Hausarzt darüber.

Wichtig: Auch neu auftretende Vergesslichkeit sollte ärztlich abgeklärt werden, dahinter kann sich eine sogenannte Pseudodemenz verbergen (siehe oben).

So wird eine Depression im Alter behandelt

Psychotherapie ist auch im hohen Alter hochwirksam. Dabei geht es in erster Linie darum, Verluste wie Partner, Beruf, Gesundheit zu verarbeiten und den Alltag neu zu strukturieren

Da Entzündungswerte eine Depression mitverursachen können (siehe oben), lohnt sich als erster Schritt oft die optimale Einstellung der körperlichen Grunderkrankung und eine wirksame Schmerztherapie, bevor weitere Behandlungsschritte folgen.

Antidepressiva wirken im Alter gut, müssen vorsichtig dosiert und langsam eingeschlichen werden. Da viele ältere Menschen oft andere Medikamente nehmen, müssen Wechselwirkungen mit neuen Medikamenten exakt geprüft werden.

Geschlechtsspezifische Ansätze: Was hilft wem besser?

Männer und Frauen sprechen aufgrund unterschiedlicher Sozialisation und Symptomatik oft auf andere Hilfsangebote an.

Spezifisch für Männer: Aktivität und Funktion

Männern fällt es oft schwer, in klassischen Gesprächskreisen über Gefühle zu sprechen. Besser funktionieren Projekte, bei denen gemeinsam etwas erschaffen oder repariert wird, etwa Werkstätten für Senioren, Gartenprojekte oder Computerkurse. Das stärkt das Gefühl von Nützlichkeit.

Ansprache über körperliche Symptome: Da Männer eine Depression oft hinter Rückenschmerzen, Magenproblemen oder Schlafstörungen verstecken, kann der Einstieg über diese Beschwerden den Weg zu psychischer Entlastung öffnen.

Gespräche mit Männern in der gleichen Lebenssituation, etwa frisch pensioniert oder verwitwet, senken die Hemmschwelle, sich Schwäche einzugestehen.

Spezifisch für Frauen: Soziale Bindung und Entlastung

Beziehungsorientierte Angebote: Frauen sprechen statistisch besser auf Gesprächsgruppen, Erzählcafés oder psychotherapeutische Runden mit offenem Austausch an.

Viele ältere Frauen rutschen in eine Depression, weil sie den Partner aufopferungsvoll pflegen und sich selbst dabei vernachlässigen. Hier helfen Entlastungsangebote wie Tagespflege, Spitex oder Angehörigengruppen.

Kunsttherapie, Musiktherapie oder sanfte Bewegungsgruppen wie Seniorinnen-Yoga oder Wassergymnastik helfen, den Fokus wieder auf das eigene Wohlbefinden zu lenken.


Wenn Sie depressive Veränderungen bei jemandem aus Ihrem Umfeld feststellen

Oft fallen Veränderungen Angehörigen, Freunden oder Nachbarn früher auf als den Betroffenen selbst. Achten Sie deshalb in Ihrem Umfeld auf folgende Symptome, die ein Hinweis auf eine vorhandene Depression sein könnten:

  • Rückzug von sozialen Kontakten oder Hobbys
  • Vernachlässigung der Wohnung oder der Körperpflege
  • Häufige Klagen über körperliche Beschwerden ohne klare Ursache
  • Deutlich verminderte Energie oder Antriebslosigkeit
  • Veränderungen im Schlaf- oder Essverhalten
  • Eine spürbare Veränderung der Persönlichkeit, etwa mehr Reizbarkeit, Misstrauen oder ungewöhnliche Teilnahmslosigkeit

Sprechen Sie die Person behutsam darauf an. Oft hilft bereits die einfache Frage: «Wie geht es Ihnen/dir wirklich?» Ermutigen Sie die betroffene Person, mit ihrer Hausärztin oder ihrem Hausarzt darüber zu sprechen. Und holen Sie sich Hilfe, wenn Sie merken, Sie kommen nicht mehr an diese Person heran:

Ein Gedanke zum Schluss

Psychische Belastungen im Alter sind häufig, aber sie müssen nicht still ertragen werden. Hilfe anzunehmen ist kein Zeichen von Schwäche, sondern ein wichtiger Schritt, um Lebensqualität und Selbstständigkeit möglichst lange zu erhalten.


Hilfen und Anlaufstellen

Wenn Sie sich in einer Krise befinden oder den Eindruck haben, dass ein Angehöriger Hilfe benötigt, gibt es Anlaufstellen, die Ihnen in dieser Situation zur Seite stehen.

Die Dargebotene Hand 143
Kostenlose und anonyme Unterstützung bei Einsamkeit, Sorgen, Krisen oder belastenden Lebenssituationen – rund um die Uhr erreichbar: Telefon 143

Malreden
Das Alltagstelefon für Seniorinnen und Senioren, täglich von 9 bis 20 Uhr, kostenlos und anonym: 0800 890 890

Fachstelle für Altersfragen Birsfelden
Persönliche Beratung vor Ort, auch zu sozialer Teilhabe, Unterstützungsmöglichkeiten und Entlastungsangeboten.

Alterspsychologie Baselland
Psychiatrisch erkrankten Menschen ab 65 Jahren finden hier ein abgestuftes Behandlungsangebot. Der diagnostische Schwerpunkt liegt auf dementiellen und organisch psychischen Erkrankungen.

UPK Basel (Universitäre Psychiatrische Kliniken)
Die UPK hat eine spezialisierte Klinik für Alterspsychiatrie. Für Krisen gibt es das ambulante Zentrum oder den psychiatrischen Notfall.

RK Basel-Stadt / Baselland – „Rotkreuz-Notruf“ & Besuchsdienste
Das Rote Kreuz bietet nicht nur Notrufknöpfe für die Sicherheit, sondern auch aktive Besuchsdienste gegen Einsamkeit an.

Blaues Kreuz – Alkohol und Sucht
Vertrauliche und kostenlose Beratung in 13 Sprachen bei allen Fragen betreffend Alkohol, Drogen, Medikamenten oder Verhaltenssüchten sowie psychosozialen Problemen

Psychiatrische Spitex
Die psychiatrische Spitex unterstützt ältere Menschen direkt zu Hause, fängt sie im Alltag auf und hilft bei der Strukturierung, wenn der Antrieb fehlt.

Pro Mente Sane
Pro Mente Sana bietet kostenlose Beratung zu psychosozialen und rechtlichen Fragen für Menschen mit einer psychischen Beeinträchtigung und ihre Angehörigen an.

SRK – Suizidprävention
Präventions-, Beratungs- und Interventionsangebote, die gefährdete Menschen dabei unterstützen, einen Weg aus der Krise zu finden und Angehörige begleiten.

Pro Senectute Baselland
Beratung zu Gesundheit, Wohnen, Finanzen und sozialer Teilhabe im Alter
Telefon 061 206 44 44

Notruf der Sanität: Im akuten Notfall wählen Sie 144.

© Seniorenrat Birsfelden