Herz und Gefässe bleiben ein Leben lang formbar, auch im höheren Alter lohnt sich ein genauer Blick auf die eigenen Werte. Diese Seite zeigt, was Cholesterin im Alter wirklich bedeutet und welche natürliche Unterstützung tatsächlich wirkt.
Blutdruck richtig messen: Kleine Fehler, grosse Auswirkung

Bluthochdruck bleibt oft jahrelang unbemerkt, da er meist keine Beschwerden verursacht, aber das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall deutlich erhöht. Wer ihn selbst zu Hause misst, macht dabei häufig unbewusst Fehler, die das Ergebnis um bis zu 30 mmHg verfälschen können, mehr als mancher Bluthochdruck selbst ausmacht.
Wenig bekannt: In der Arztpraxis fallen Werte oft höher aus als zu Hause, weil viele Menschen dort nervös sind, der sogenannte «Weisskittel-Effekt». Wer regelmässig misst und seine Werte über mehrere Tage dokumentiert, gibt der Hausärztin oder dem Hausarzt eine deutlich verlässlichere Grundlage als eine einzelne Messung in der Praxis.
Ruhe vor der Messung: Mindestens 5 Minuten ruhig sitzen, nicht direkt nach Treppensteigen oder Aufregung messen.
Richtige Haltung: Die Manschette muss auf Herzhöhe sitzen, die Beine nicht übereinandergeschlagen, während der Messung nicht sprechen.
Die richtige Manschettengrösse: Eine zu kleine Manschette zeigt fälschlicherweise zu hohe Werte an, das wird häufig übersehen.
Mehrfach messen: Zwei Messungen im Abstand von einer halben Minute, der Durchschnitt der beiden zählt. Der erste Wert fällt oft zu hoch aus.
Alternativen zur klassischen Manschette: Was taugen sie?
Wer die übliche Oberarm-Manschette unpraktisch findet, stösst zunehmend auf Alternativen, allerdings mit klaren Unterschieden in der Zuverlässigkeit:
Sie funktionieren ähnlich wie die klassische Manschette, nur sind sie kleiner und messen am Handgelenk statt am Oberarm. Vorteil: kompakt und einfach zu bedienen. Nachteil: Die Messung reagiert empfindlich auf die Handhaltung und auch hier muss es exakt auf Herzhöhe gehalten werden, sonst sind die Werte verfälscht.
Diese schätzen den Blutdruck über Lichtsensoren und einen Algorithmus, ganz ohne Manschette.
Vorteil: bequem, ständig am Arm, gut für Trends über die Zeit.
Nachteil: deutlich weniger genau als eine echte Messung. Auch müssen die Werte regelmässig mit einer klassischen Manschette abgeglichen werden.Sie kommen der klassischen Messung am nächsten, sind aber grösser und klobiger als gewöhnliche Smartwatches. Auch sind sie selten und teuer.
Diese Apps wirken verlockend einfach, sind aber in den meisten Fällen ungenau, da sie den Wert oft nur grob über den Puls messen. Auch sind die wenigsten medizinisch geprüft.
Eine bekannte Ausnahme ist die Schweizer App OptiBP von Biospectal, die als eine der wenigen Apps weltweit medizinisch zertifiziert ist und im Abonnement erhältlich ist. Bei allen anderen, nicht zertifizierten Apps dieser Art ist Vorsicht angebracht.
Für die Diagnose oder Anpassung von Medikamenten bleibt eine validierte Manschette am Oberarm der Goldstandard. Smartwatches und Handgelenk-Geräte eignen sich gut, um Trends zu beobachten, sollten Ihre Werte aber regelmässig mit einer klassischen Messung gegenprüfen. Apps allein, ohne zusätzlichen Sensor, können den Blutdruck nicht messen, sie dienen höchstens dazu, gemessene Werte zu dokumentieren und den Verlauf übersichtlich darzustellen.
Herzinfarkt: Frau und Mann oft nicht vergleichbar
Wenig bekannt: Frauen erleben einen Herzinfarkt häufig ganz anders als Männer.
Bei Männern zeigt sich meist das klassische Bild: ein plötzlicher, starker Schmerz oder Druck in der Brust, oft ausstrahlend in den linken Arm, den Hals oder Unterkiefer, begleitet von Atemnot, Schweissausbruch und Angst.
Bei Frauen fehlt dieser typische Brustschmerz, der bei Männern eines der eindeutigsten Signale ist, oft ganz oder ist deutlich schwächer ausgeprägt.


Stattdessen treten oft unspezifische Symptome auf: Atemnot, ein Ziehen in den Armen, unerklärliche Müdigkeit, Übelkeit oder Schmerzen im Oberbauch oder Rücken.
Genau diese Unspezifik führt dazu, dass ein Herzinfarkt bei Frauen oft zu spät erkannt wird, weil die Beschwerden eher nach Magenproblemen oder Erschöpfung aussehen. Auch beim Arzt oder im Spital werden diese Signale nicht immer gleich als Symptome für einen Herzinfarkt erkannt.
Nehmen Sie ungewohnte, anhaltende Beschwerden bei sich selbst und bei anderen daher ernst und zögern Sie im Zweifel nicht, den Notruf 144 zu wählen. Die Ambulanz wird auf dem Weg ins Spital bereits mit der Behandlung beginnen.
Vorhofflimmern: Der stille Risikofaktor für Schlaganfall
Mit dem Alter steigt das Risiko für Vorhofflimmern deutlich, im Alter über 70 ist etwa jede zehnte Person betroffen. Tückisch dabei: Gerade ältere Menschen spüren oft keine Symptome wie Herzstolpern oder Herzrasen, obwohl die Herzrhythmusstörung das Risiko für einen Schlaganfall deutlich erhöht, da sich dabei leichter Blutgerinnsel bilden können.
Eine einfache Selbstkontrolle hilft: Tasten Sie gelegentlich Ihren Puls am Handgelenk, etwa eine Minute lang. Schlägt er unregelmässig, zu schnell oder zu langsam, lohnt sich ein Gespräch mit der Hausärztin oder dem Hausarzt, ein einfaches EKG schafft dann Klarheit.

Schlaganfall: Mit dem FAST-Test in Sekunden erkennen

Bei einem Schlaganfall zählt jede Minute, je schneller die Behandlung beginnt, desto kleiner der bleibende Schaden.
Zögern Sie daher nicht, sondern alarmieren umgehend die Notfall-Nr. 144. Die Ambulanz wird auf dem Weg ins Spital bereits mit der Behandlung beginnen.
Mit dem FAST-Test kann auch ein medizinischer Laie in wenigen Sekunden prüfen, ob ein Schlaganfall vorliegt:
- F – Face (Gesicht): Die Person lächeln lassen. Hängt ein Mundwinkel herab?
- A – Arms (Arme): Beide Arme nach vorne strecken lassen, Handflächen nach oben. Sinkt ein Arm ab oder dreht sich?
- S – Speech (Sprache): Einen einfachen Satz nachsprechen lassen. Klingt die Sprache verwaschen oder undeutlich?
- T – Time (Zeit): Ist auch nur eines der drei auffällig, sofort den Notruf 144 wählen.
Wenig bekannt: Verschwinden solche Symptome nach wenigen Minuten wieder von selbst, könnte es sich um eine TIA handeln, eine vorübergehende Durchblutungsstörung im Gehirn. Nehmen Sie diese Vorwarnung unbedingt ernst und rufen Sie sofort den Notruf 144, statt selbst ins Universitätsspital Basel zu fahren, denn die Wahrscheinlichkeit, dass kurz danach ein richtiger Schlaganfall folgt, ist hoch. Die Ambulanz kann bereits auf dem Weg mit der Behandlung beginnen.
Lungenembolie: Oft übersehen, manchmal lebensgefährlich
Ähnlich tückisch wie ein Schlaganfall: Bei beiden verschliesst ein Blutgerinnsel ein wichtiges Gefäss, beim Schlaganfall im Gehirn, bei der Lungenembolie in der Lunge. Auch hier wird die Gefahr oft zu spät erkannt, die Symptome sind unspezifisch und werden leicht mit anderem verwechselt.
Mögliche Anzeichen: plötzliche Atemnot, Brustschmerzen (besonders beim Einatmen), schneller Puls oder ein unklares Schwächegefühl. Eine geschwollene, schmerzhafte Wade kann ein Hinweis auf die zugrunde liegende Beinvenenthrombose sein, fehlt aber in mehr als der Hälfte der Fälle, verlassen Sie sich also nicht darauf, dass «das Bein ja nichts zeigt».
Risikofaktoren im Alter sind vor allem Bewegungsmangel und längeres Sitzen oder Liegen, etwa nach einer Operation oder einem Sturz (mehr dazu auf der Seite Sturzprävention und Schutz).

Deshalb: Bei plötzlicher, unerklärter Atemnot oder Brustschmerzen: sofort den Notruf 144 wählen, auch wenn die Beschwerden mild wirken oder wieder nachlassen.
Bestehen Sie auf diese Abklärung: Im Spital wird der Verdacht auf eine Lungenembolie unter anderem mit einem D-Dimer-Bluttest und der Sauerstoffsättigung überprüft. Wurden Ihre Beschwerden zuvor anders eingeordnet, lohnt es sich, bei anhaltendem Verdacht aktiv nach diesen beiden Untersuchungen zu fragen.
© Seniorenrat Birsfelden