Vorbeugen ist oft wirksamer, als man denkt. Und es gibt viele tolle Massnahmen, die man nur noch nicht kennt.
Sturzprävention – Hausbesuch der Rheumaliga Schweiz
Die Rheumaliga Schweiz bietet eine Sturzprävention mit Hausbesuch an, bei dem Gefahrenstellen in der eigenen Wohnung erkannt werden. Dieser wird von der Grundversicherung übernommen, wenn drei Voraussetzungen erfüllt sind:
Sie sind mindestens 65 Jahre alt, haben ein erhöhtes Sturzrisiko (z.B. durch frühere Stürze, Gangunsicherheit, Schwindel oder bestimmte Medikamente), und Sie verfügen über eine ärztliche Verordnung Ihrer Hausärztin oder Ihres Hausarztes. Die Beratung erfolgt dann durch die Rheumaliga Schweiz oder speziell qualifizierte Physio- und Ergotherapeuten, die direkt mit Ihrer Krankenkasse abrechnen.

Sturzgefahr – guter Schutz dank entsprechenden Hilfsmittel

Neben Training und guter Medikamentenkontrolle gibt es eine Reihe von Hilfsmitteln, die das Sturzrisiko senken oder im Ernstfall schnell Hilfe holen.
Das sind einmal jene, die helfen, einen Sturz zu verhindern. Dann jene, die im Falle eines Sturzes die Verletzungsgefahr reduzieren, und solche, die Ihnen helfen, im Notfall Hilfe anzufordern.
Schutz vor dem Sturz
- Gutes Schuhwerk: Rutschfeste Sohlen, fester Halt, auch bei Hausschuhen. Bei Eis hilft ein Gleitschutz fürs Schuhwerk.
- Gehhilfen: Stöcke und Rollatoren geben zusätzliche Stabilität, müssen aber in der richtigen Höhe eingestellt sein und gute Gummifüsse haben.
- Wohnungsanpassungen: Gute Beleuchtung (Nachtlichter, Bewegungsmelder), Stolperfallen wie lose Kabel oder Teppiche entfernen, Stufen mit kontrastreichen Streifen markieren.
Schutz beim Sturz
- Hüftprotektoren: Spezielle Unterwäsche oder Hosen mit Polsterung über dem Hüftknochen, können das Risiko eines Hüftbruchs deutlich senken.
Wichtig ist die richtige Passform; nur geprüfte Systeme (z.B. mit EMPA-Testung) bieten zuverlässigen Schutz.
Hilfe nach dem Sturz
- Notrufsysteme: Per Knopfdruck am Halsband, Armband oder als Uhr wird automatisch eine gespeicherte Nummer oder eine Notrufzentrale erreicht. Mit GPS funktioniert das auch unterwegs.
- Sturzdetektoren: Erkennen einen Sturz automatisch über Bewegungssensoren und lösen bei Bewegungslosigkeit selbst einen Alarm aus, auch wenn der Knopf nicht gedrückt werden kann.
Zusätzliche Gefahren bei einem Sturz
Wichtig zu wissen: Ein Sturz selbst kann das Embolie-Risiko erhöhen
Schon ein Sturz allein, auch ohne Operation, kann das Risiko für eine Lungenembolie erhöhen. Wer sich danach aus Schmerz oder Vorsicht weniger bewegt, verlangsamt den Blutfluss in den Beinvenen, und genau das begünstigt die Bildung eines Gerinnsels. Bewegen Sie sich deshalb nach einem Sturz so bald wie möglich wieder normal, auch wenn es zunächst unangenehm ist, und lassen Sie ungewöhnliche Schwellungen oder Schmerzen im Bein ärztlich abklären.
Wichtig zu wissen: Nach einer Operation steigt das Risiko zusätzlich
Folgt auf einen Sturz eine Operation, etwa nach einem Oberschenkelhalsbruch, steigt das Risiko nochmals deutlich. Die Bettruhe danach verlangsamt den Blutfluss in den Beinvenen weiter. Deshalb ist es wichtig, nach der Operation möglichst rasch wieder mobil zu werden, oft schon am Tag danach, und sich an die ärztlich verordnete Thromboseprophylaxe (meist Spritzen oder Tabletten) zu halten.
Mehr Informationen zur Lungenembolie finden Sie im Beitrag Herz- und Kreislaufgesundheit im Alter
Sturzgefahr – Muskelabbau durch unterschätzten Eiweissbedarf
Auch wenn ältere Menschen weniger Kalorien benötigen, ist beim Eiweiss genau das Gegenteil der Fall. Denn davon brauchen ältere Menschen deutlich mehr als junge.

Das hat zwei Gründe: Ihr Körper kann Eiweiss schlechter verwerten, und gleichzeitig bauen sich die Muskeln im Alter natürlicherweise ab (Sarkopenie genannt).
Erschwerend kommt hinzu, dass viele Seniorinnen und Senioren weniger essen, weil der Appetit nachlässt oder das Kauen schwerer fällt, gerade bei eiweissreichen Lebensmitteln wie Fleisch. Die Folge: Die Muskelkraft nimmt ab, das Gleichgewicht wird unsicherer, und das Sturzrisiko steigt. So wies eine Studie der Universitären Altersmedizin Felix Platter bei über der Hälfte von 300 untersuchten älteren Spitalpatienten eine ungenügende Proteinzufuhr nach.
Caroline Kiss, Ernährungsexpertin am Felix Platter-Spital in Basel, empfiehlt gesunden Seniorinnen und Senioren deshalb mindestens 1 bis 1,2 Gramm Eiweiss pro Kilogramm Körpergewicht und Tag (junge Menschen: 0.8). Experten raten zu einer gleichmässigen Einnahme über den ganzen Tag in Kombination mit Bewegung.
Mahlzeiten: Die Proteinmenge sollte gleichmäßig auf 3 bis 5 Mahlzeiten (mit jeweils etwa 25–35 Gramm Protein) aufgeteilt werden (z. B. durch Quark, Eier, Fisch, Tofu oder mageres Fleisch).
Kombination mit Bewegung: Die Einnahme von Protein (z. B. schnelle Eiweisse wie Molkenprotein/Whey) direkt vor oder nach dem Training ist am effektivsten für den Muskelaufbau, idealerweise über mehrere Mahlzeiten verteilt statt alles auf einmal.
Viele Senioren schaffen diese erhöhte Proteinaufnahme über die tägliche Ernährung jedoch nicht. Hier helfen Eiweisspulver oder -shakes aus der Apotheke oder Drogerie. Ersteres lässt sich problemlos in Joghurt oder Müesli einrühren. Pro Monat müssen Sie dafür mit CHF 20 bis 50 rechnen. Eine ärztliche Verordnung brauchen Sie dafür in der Regel nicht; bei ausgeprägter Mangelernährung kann die Krankenkasse die Kosten jedoch übernehmen.
Bestimmte Nahrungsmittel tragen auch dazu bei, dass Sie im Kopf länger fit bleiben. Welche dies sind und wie diese ganz einfach zubereitet werden können, zeigen die Felix Platter-Stiftung und Betty Bossi im neuen Magazin «gesund & smart», das kostenlos erhältlich ist. Entweder können Sie es hier direkt herunterladen oder bestellen.
Weitere Rezepte für das Frühstuck finden Sie in der Broschüre «Proteine – am besten schon zum Frühstück» von der Ernährungsberatung FELIX PLATTER.
Sturzprävention – Die unterschätzte Rolle der Medikamente

Stolperfallen wie Teppiche oder Schwellen im Haushalt sind bekannt.
Weniger bekannt hingegen ist, dass auch Medikamente eine der häufigsten Ursachen für Stürze sind, gerade wenn man mehr als ein Medikament einnimmt. Hauptursachen dafür sind Nebenwirkungen wie Schwindel, Benommenheit, Blutdruckabfall oder Sehstörungen.
Hier die wichtigsten Medikamentengruppen. Aber denken Sie daran, manchmal geht es nicht anders. Dann aber wissen Sie zumindest, woher Ihre Beschwerden kommen.
| Medikamentengruppe | Wofür eingesetzt | Warum erhöhtes Sturzrisiko |
|---|---|---|
| Schlaf- und Beruhigungsmittel, (z.B. Benzodiazepine) | Schlafstörungen, Angstzustände | Müdigkeit, verlangsamte Reaktion, besonders bei Neueinnahme |
| Antidepressiva | Depressionen, Angststörungen | Beruhigende Wirkung, erhöht bei Kombination mehrerer Mittel |
| Antipsychotika | Psychische Erkrankungen | Kann Blutdruckabfall beim Aufstehen auslösen |
| Mittel gegen Epilepsie | Anfallsleiden | Müdigkeit, zudem langfristig Knochenschwächung |
| Muskelrelaxantien | Muskelverspannungen, Schmerzen | Starke Beruhigungswirkung |
| Schmerzmittel (NSAR, z.B. Ibuprofen, Diclofenac) | Schmerzen, Entzündungen | Beeinflussen den Blutdruck |
| Opioide | Starke Schmerzen | Müdigkeit, Schwindel, verlangsamtes Denken |
Quellen
Mayo Clinic (2025): «Medicines that increase fall risk in older adults», aktualisiert 30. Januar 2025
Leading Medicine Guide, Geriatrie (2026): «Polypharmazie im Alter — wenn Medikamente mehr schaden als nützen«,
Autor: Naumche Matoski, MD, MBA (Main-Kinzig-Kliniken Schlüchtern), veröffentlicht 07.05.2026
⚠️Niemals sollten Medikamente eigenmächtig abgesetzt werden! Jede Änderung muss zwingend mit dem behandelnden Arzt besprochen werden. Gerade Medikamente wie Benzodiazepine, SSRI, Opioide, Betablocker oder Kortikosteroide sollten nicht abrupt abgesetzt, sondern ausgeschlichen werden, abruptes Absetzen kann gefährlicher sein als die Fortführung.
Erstellen Sie eine Liste mit allen Medikamenten welche Sie einnehmen, inkl, seit wann in welcher Dosierung und Zeit. Legen Sie eine Kopie davon am Besten in Ihre Handtasche, dann haben Sie sie im Notfall oder bei einem Arztbesuch immer dabei. Und lassen Sie sie einmal jährlich von Ihrer Hausärztin oder Ihrem Hausarzt überprüfen. Gerade, wenn die Medikamente von unterschiedlichen Ärzten verschrieben wurden.
Bei Schlafproblemen helfen aber auch Nicht-medikamentöse Massnahmen wie feste Schlafenszeiten, Tageslicht und Bewegung am Tag sowie der Verzicht auf Bildschirme am Abend wirken nachweislich, oft sogar länger anhaltend als Tabletten. Bei Schmerzen können Physiotherapie, Wärme- oder Kälteanwendungen und gezielte Bewegung helfen, das Schmerzmittel zu reduzieren. Wichtig: Es gibt keine pauschal «sichere» Ersatztablette, jede Substitution muss individuell mit der Ärztin oder dem Arzt besprochen werden, da auch neuere oder pflanzliche Mittel Risiken bergen können.
Bewegung – Auch im hohen Alter wichtig
Selbst wer erst spät mit Kraft- und Gleichgewichtstraining beginnt, kann noch Muskelmasse aufbauen, der Effekt ist auch im hohen Alter nachgewiesen.
Zwei bis drei Trainingseinheiten pro Woche reichen meist aus, ideal kombiniert mit Eiweiss in der Ernährung. Auch das gezielte Training von Fallschutz-Techniken, etwa das Abrollen bei einem Sturz, kann das Verletzungsrisiko deutlich senken.

Sicher im Alltag stehen und gehen
Stürze lassen sich nicht nur durch starke Knochen, sondern genauso durch ein sicheres Umfeld vermeiden:
Entfernen Sie Stolperfallen
Lose Teppiche, Kabel oder im Weg stehende Möbel bringen Sie leicht zu Fall.Sorgen Sie für gute Beleuchtung
Nachtlichter im Flur und Bad helfen, Stürze im Dunkeln zu vermeiden.Tragen Sie sicheres und bequemes Schuhwerk
Haus- und Strassenschuhe mit gutem Halt und flachen, rutschfesten Sohlen sorgen für stabilen Stand.Trainieren Sie Ihre Muskeln
Einfache Balance- und Kraftübungen im Alltag (z. B. beim Zähneputzen auf ein Bein stellen) erhalten die Trittsicherheit. Auf unserer Seite ‚Sportlich‘ finden Sie Links zur Beratungsstelle für Unfallverhütung mit vielen weiteren Übungen für Ihre körperliche und mentale Fitness.Lassen Sie Ihre Medikamente überprüfen
Mehrere Medikamente gleichzeitig erhöhen das Sturzrisiko. Besprechen Sie Ihre Liste einmal jährlich mit Ihrer Hausärztin oder Ihrem Hausarzt.Nehmen Sie genug Eiweiss zu sich
Eiweiss erhält die Muskelkraft, die für einen sicheren Stand wichtig ist. Reicht die Ernährung nicht aus, helfen Eiweisspulver oder -shakes.Lassen Sie Ihren Vitamin-D-Spiegel prüfen
Vitamin D stärkt die Knochen und damit den Schutz vor Brüchen. Fragen Sie beim nächsten Hausarztbesuch danach.Kostenloser Hausbesuch
Anmeldung direkt, über Angehörige, die Hausärztin oder die Spitex.
© Seniorenrat Birsfelden